| Dienstag 12. August 2003 |
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Beim betreten ihres Zimmers saß meine Schwester bei ihr am Bett. Sie hatte die Augen zu, man hat sie auf die Dauerinjektion angeschlossen. Das Wasser hat wieder ihre Hände eingeschnürt von den Namensschild. Ich ging zu Pfleger G. , er kam uns sagte, ich nehme es ab - ich weiß ja wer sie ist. Wir wussten nicht ob sie uns noch hörte, ihre Augen flackerten. Wir sprachen mit ihr und auf einmal schaute sie uns beide an. Es war ein zufriedener Blick. Dann schloss sie ihre Augen wieder. Wir verabschiedeten uns von ihr und ich habe auch immer zu ihr gesagt: Mama du kannst gehen. Gesprochen hat sie nicht mehr mit uns. Wir verließen schweigend das Zimmer. Die Angst vor den Anruf wuchs, ohne Telefon ging ich nicht mehr fort, sogar wenn ich mit den Hunden spazieren ging, hatte ich es eingesteckt. Am Abend legte ich es zum Bett. Bei jedem Klingeln schaute ich auf das Display welche Nummer wohl da erscheint. |
| Mittwoch 13. August 2003 |
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Wieder fuhren wir gemeinsam hinein, die Angst was erwartet uns heute wuchs. Als wir in ihr Zimmer gingen, war ihr Platz leer. Eine Krankenschwester kam zu uns, und sagte sie hätten Mamsch in ein anderes Zimmer verlegt. Da wussten wir Bescheid. Ich sprach noch mit ihr, Flo ging vor und an ihrer Reaktion sah ich, irgendetwas ist anders. Als ich vor das Bett trat, konnten wir uns vor weinen nicht halten. Das war doch nicht mehr unsere Mutter. Sie war gezeichnet, sie atmete ganz schwer, der Mund geöffnet, sie die immer kalte Hände hatte - glühte. Die Krakenschwestern zogen die Vorhänge zu um uns mit Mamsch alleine zu lassen sie sagte noch; sie sei schon einen Schritt weiter als wir da sehen. Man hatte sie auf eine Luftmatte gelegt wegen des vielen Wassers. Wir saßen links und rechts bei ihr am Bett und streichelten sie. Uns war klar, so sollte Papsch sie nicht mehr sehen. Binnen einen Tag hatte sie sich so verändert. Wir hätten wohl auch lieber den Anblick vom Vortag in Erinnerung gehabt, aber sollten wir jetzt aufgeben und sie alleine lassen. Wir sind doch mit ihrer Krankheit mitgewachsen. Die Stationsschwester sagte, wir könnten ihre Sachen schon alle mitnehmen. Wir fühlten uns schlecht, unsere Mutter lag noch da, atmete - lebte und wir sollen zusammenpacken ? Beim Abschied wieder die Worte: Mama du kannst gehen - Deine Zeit ist jetzt da. |
| Donnerstag 14. August 2003 |
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Die Sachen im Auto noch vom Vortag. Ich war nicht fähig die Taschen auszuräumen. Flo fuhr ins Spital, Mamsch hatte eine Sauerstoffmaske um die auch zur Befeuchtung diente. Sie hat sie noch frisiert und mir ihr gesprochen. Wie schon am Vortag war ihr Gesichtsausdruck zufrieden. Freundin A. sagte mir noch, sie wird ruhig einschlafen aber sie wird nicht gehen wenn ihr dabei seid. Ich hatte Papsch am Telefon, morgen fahre ich hinein, ich muss. Ich versprach ihm, ok wir holen dich und fahren dann gemeinsam. Am Nachmittag war Flo bei mir. Wir sprachen viel über unsere Jugendzeit und konnten auch lachen über gemeinsame Erinnerungen. Diese Zeit mit unserer Mutter hat uns viel viel näher gebracht, sie ist nicht nur meine " große Schwester " sie ist nun auch meine " Freundin " geworden. Vielleicht war Mamsch auch deswegen zufrieden, denn ihr letzter Blick war ja auf uns gemeinsam. Das wir für Papsch immer da sind, das weiß sie. Knapp vor 18h wurde ich unruhig, ich rief nochmals im Krankenhaus an: Können sie mir sagen wie der Zustand ist " Unverändert " war die Antwort. Um 20.40h rief Papsch an, sie hätten angerufen Mama ist eingeschlafen. So, wir wussten es die ganze Zeit, aber wenn die Realität da ist, man kann und will es nicht glauben. Ich lief mit den Telefon herum. Mein Mann war noch nicht da, gerade am Heimweg, ihn wollte ich nicht anrufen, gibt dann Gas und vielleicht passiert noch etwas. Ich wusste Papsch ist jetzt am Telefon mit Flo. Ich rief meine Freundin B. an, sie merkte sofort was los sei und sie sagte: Gott sei Dank sie hat es geschafft. In diesen Moment dachte ich: spinnt die total. Ist das Mitgefühl. Ja, sie hatte recht. Sie hat es geschafft und war erlöst. Monatelang Schmerzen, Untersuchungen, Spritzen, Operationen, das hatte sie sich nicht verdient. Als B. weitersprach: was glaubst du wie Filou sich jetzt freut wenn er deine Mutter sieht, musste ich sogar meine Lippen zu einen Lächeln verziehen. Auch wenn es noch so weh tut, wir gönnen ihr die verdiente Ruhe. |